779 Jahre St. Nikolai Rinteln
weltweit 500 Jahre  Reformation


Die Chorfenster sind wie neu, endlich ist diese große Renovierungsmaßnahme abgeschlossen.

Erste Ortsbesichtigung mit dem Bauleiter Herrn Winkelmann vom Amt für Bau- und Kunstpflege der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover
Bauplan zur Staubschutzwand im Chorraum
Bild „Jesu Himmelfahrt“ wird abgenommen
und eingepackt
2 Epitaphe werden während der Bauphase schützend verhängt
Auch der Altar wird verhüllt
Staubhülle des Altars
Baumaterialien für die Staubschutzwand im Chorraum
Erste Platten befestigen am Stützgerüst die Tischler der Firma Grope aus Fischbeck
Der Altar bekommt zusätzlich ein schützendes Holz-Gehäuse
Die Holzwand wächst
Letzte Bretter werden angebracht
Eine Schleuse mit 2 Türen schützt die Kirche vor Staub
Kleinste Fugen werden noch verstopft
Die Staubschutzwand wird fest verankert am Sandsteinblock des Altars
Ankerbalken sichern die Schutzwand
Vor der fertigen Holzwand steht der neue „Bewegliche Altar“
Das äußere Baugerüst wird aufgestellt
Außengerüst mit Staubschutzhülle
Die Steinmetze der Firma Meier aus Obernkirchen lösen die Windeisen
Vorsichtig wird gemeißelt
Das erste Chorfensterteil ist herausgelöst
Sandsteinschäden werden begradigt und entsprechende Teile neu eingefügt
Passt perfekt
Die Stein-Fugen des oberen Maßwerks werden aufwendig mit Bleiwolle verpresst – ewig haltbar
Kaputte Solbankplatten werden abgeschliffen oder ganz neu eingesetzt
Reparierte Solbank
Ersetztes Stück der Mittelstrebe wird aufwändig gestützt
Angepasste Holzstützen
Bearbeitetes Sandsteinmaßwerk
Neues Teil der Sandsteinstrebe passt genau
Windeisenlöcher sind ausgebessert
Verstärkte Windseisen werden eingefügt
Letzte farbliche Anpassungen erledigt Steinmetzgeselle Merlin Wolf
Restaurierte Fenster-Elemente kehren aus Berlin nach Rinteln zurück (siehe gesonderten Bericht von der Glaskunst-Werkstätte der Firma Schölzel aus Berlin)
Arbeitsgerüst im Chorraum
Fensterelement sitzt auf Windeisen
Stück für Stück wird angepasst
Im Chorraum-Gewölbe bessert Restauratorin Wunderlich Schäden aus
Es wird an einer Fensterleibung frühere Bemalung entdeckt
Wandschäden sind zu beheben
das „Fenster“ zur Malerei wird vergrößert
2 bronzefarbene Kronen, eine Passionsblumen-Blüte und Blütenknospen sind wunderschön aufgemalt
eine Blattranke wird sichtbar
Von der oberen Arbeitsplattform aus gesehen: renovierte Maßwerk-Antikglas-Mosaiken
Glaskunst von Erhardt Klonk aus den 50iger Jahren
Formenvielfalt des Glaskünstlers E. Klonk
Farbenspiel im zentralen Fenster
ein Zentrum
fast figürliches Mosaik
Interessantes Bleirutenspiel
Ein blumiges Kreuz
Arbeitsplattform unter dem Chorgewölbe
Blick auf den Schlussstein „Jesu Christi - Lamm Gottes“ im Kreuzgewölbe des Chores
Außen wird das metallene Schutzgitter an die Fenster-Leibung befestigt
Fugenmörtel ist mit Rosshaaren durchmischt. Sie bilden ein inneres Netz und erhöhen die Elastizität
Steinmetz Merlin Wolf hinterlässt sein Zunft-Zeichen
Sandstein, Fugenmörtel und Gläser
sind wetterfest miteinander verbunden
Fachmännischer Kontrollblick vom Steinmetz
Abbau der Holzschutzwand beginnt
Chorgewölbe ist schon zu sehen
Erstes Licht erstrahlt durch die Chorfenster
Die Hälfte der Platten ist abgebaut
Buntes Licht erleuchtet wieder den Chorraum
Der letzte Holzständer wird von den Tischlern herausgetragen
Schon steht das Gerüst am Altar
Der Rückbau des Holzgehäuses schreitet voran
Letzte Platten werden entfernt
Aufräumarbeiten
Der Altar ist noch verhüllt
Enthüllung des Altars
Noch hängt die Folie
Der „Vorhang“ fällt
Der Altar ist „befreit“ – Die Renovierung ist fast perfekt
Es ist soweit: am Palmsonntag (9.4.2017) findet wieder Gottesdienst und Taufe statt mitten im farbenfrohen Licht der wundervoll renovierten Chorfenster
Die Bekrönung des Altars verwahrt der Restaurator. Das ist gewiss: „Gott kommt später!“

 

auch im Online News-Magazin für Rinteln und die Umgebung

"Rinteln-Aktuell.de"

in der Schaumburger Zeitung
und im Schaumburger Wochenblatt wird darüber berichtet

 


 

 


 

Da pfeift ja schon der Wind durch“

Bunte Fenster der Nikolaikirche werden saniert, ein Jahr lang und für 270000 Euro

 

Frau Eikmeier vom Kirchenvorstand mit der von ihr gestalteten Info-Wand zur Fensterrenovierung

RINTELN. Wer arglos die Nikolaikirche betritt, bekommt wohl erst mal einen Schreck: Der gesamte hohe Altar ist in eine blaue Plastikfolie gehüllt, ebenso wie die beiden großen Epitaphe. Außen an der Südseite hat man vielleicht schon das Baugerüst gesehen. An solche Anblicke wird man sich gewöhnen müssen: Die Kirchenfenster im Chor mit ihrer bunten Bleiverglasung werden von Grund auf saniert.

Wenn man darüber mit Bauleiter Heinrich Winkelmann vom Amt für Bau und Kunstpflege der Landeskirche spricht, könnte man meinen, die Fenster seien schon Jahrhunderte alt. Die Eisenverankerung der einzelnen Fenstertafeln sei rostig geworden und habe möglicherweise bereits die Sandsteinsäulen angegriffen. Der Kitt, mit dem die zum Teil sehr kleinen einzelnen Scheiben mit den Bleirouten verbunden sind, sei fast ganz verschwunden, der Mörtel brüchig und die Farbe des Glases habe durch Kondenswasser gelitten. „Man muss alles ausbauen, allein schon, um zu prüfen, was die Altvorderen da eigentlich gemacht haben“, sagt er.

Fenster ersetzten dieNotverglasung nach 1945

Tatsächlich aber sind die Fenster noch keine sechzig Jahre alt. Sie ersetzten die Notverglasung der Nachkriegszeit, die nötig wurde, als im April 1945 mit der Sprengung der Weserbrücke zugleich auch alle Kirchenfenster zersprangen. Der aus Rinteln stammende Glaskünstler Eberhard Klonk hatte die neuen Chorfenster gestaltet und in seiner Marburger Werkstatt angefertigt. Die genannten Probleme seien typisch für diese Art von Fenstern, meint Heinrich Winkelmann. Vor allem die Rostentwicklung und überhaupt Luftfeuchtigkeitsschäden stellen regelmäßig eine große Gefahr dar.

Was im Einzelnen getan werden muss, stellt sich in den nächsten Wochen heraus. Keine Frage aber ist, dass die insgesamt 45 Tafeln der Chorfenster abgenommen und nummeriert werden müssen. Man verpackt sie dann sorgfältig und bringt sie in einer der wenigen Glaswerkstätten, die noch mit diesem alten, mundgeblasenen Glas umgehen können. Dort wird die eingebrannte Farbe erneuert, einzelne Mosaikstücke werden ganz ausgetauscht und die fehlerhaften feinen Bleibahnen repariert. „Das ist nötig“, sagt Winkelmann. „Da pfeift ja schon der Wind durch.“

Bei diesen Arbeiten werden viel Staub und Dreck anfallen, auch wegen des Mörtels an den waagerechten „Windeisen“, die die einzelnen Mosaiktafeln tragen und sie mit dem umgebenden Stein verbinden. Deshalb also die Folien um den wertvollen Altar, die allerdings bald durch eine sogenannte „Einhausung“ ersetzt werden, eine Art Holzkiste, in der der Altar ganz verschwinden wird.

Die Rintelner Künstlerin Gisela Gührs hat bereits einen Ersatzaltar entworfen, ein schlichter Glastisch mit Holzkreuz. „Damit kommen wir schon klar“, sagt Pastorin Sabine Schiermeyer. „Wir sind so froh, dass die schon länger anstehende Sanierung jetzt endlich beginnt.“

Etwa ein Jahr werden die Arbeiten andauern. Die dafür angesetzten 270000 Euro werden zu einem kleinen Teil vom Kirchenkreis, zum größten Teil von der Landeskirche übernommen. „Die Nikolai-Gemeinde kann sich glücklich schätzen, dass sie in das landeskirchliche Sanierungsprogramm aufgenommen wurde“, so Ulf Pöhler, als stellvertretender Leiter im Kirchenamt zuständig für bauliche Maßnahmen im sakralen Bereich. „Nicht überall, wo Ähnliches vielleicht auch nötig wäre, können wir so etwas finanzieren.

Man muss alles ausbauen, allein schon, um zu prüfen, was die Altvorderen da eigentlich gemacht haben.

Heinrich Winkelmann,

Amt für Bau und Kunstpflege

der Landeskirche

Von Cornelia Kurth Schaumburger Zeitung am 21.05.2016 Seite 10

 

 








Das "Schutzhaus" des Altars
Die doch beeindruckend große Staub-Schutz-Wand (77 qm) im Chorraum wurde geschlossen und kann nun ihren Zweck erfüllen: Sie schützt den Kirchraum vor Staub und Schmutz bei den nun folgenden Arbeiten des Ein- und Ausbaus der Chor-Fenster im Laufe des Sommers 2016.

Gedanken zu Gisela Gührs' Altartisch-Entwurf

Ein Altar ist zunächst ein Tisch.

 

 

Der Altar erfüllt die Funktion, dass an ihm das Abendmahl gefeiert werden kann. Dem Abendmahl wohnt der Verweis auf das Opfer inne. Der Altar ist also ein Abendmahls- und Opfertisch. Kein Tisch wie jeder andere, sondern ein Tisch, der den Verweis auf eine heilige Handlung zwar sichtbar machen soll, aber dennoch funktional sein muss.
Aus diesem Grund hat die Künstlerin Gisela Gührs ihren Altarentwurf nicht rechteckig gestaltet. Der Tisch weist eine trapezförmige Form auf und weicht dadurch von den meisten gebräuchlichen Tischformen deutlich ab.
Optisch findet also von der breiten Stirnseite aus betrachtet eine deutliche Verjüngung des Tisches statt. Hierdurch wird symbolisiert, dass alles im Leben auf einen Punkt hin zuläuft. Dieser Punkt mag als das Ende des Lebens gedeutet werden, was für uns Christen ja auch der Beginn des ewigen Lebens ist. Die trapezförmige Gestaltung des Tisches lässt auch die Assoziation zu einem Weg zu. Das Leben von uns Christen kann als Weg zu der zentralen Figur unseres Glaubens, zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes des Allmächtigen, angesehen werden.
In der theoretischen Mathematik schneiden sich zwei Parallelen erst im Unendlichen. Auch die Unendlichkeit ist ein Begriff des Göttlichen, sie ist das einzig mögliche Maß für die Größe des Allmächtigen. Wenn man einen starken Eindruck dieser Idee erlangen möchte, sollte man sich den Tisch von der schmalen Stirnseite her betrachten. Dann wird nämlich die Zentralperspektive außer Kraft gesetzt und die beiden Längsseiten scheinen parallel bis in die Unendlichkeit zu verlaufen.
Die Künstlerin hatte nach ihrem Entwurf ein passendes Altar-Kreuz fertigen lassen.

Beides - der Altartisch und das Altarkreuz - schmiedete der Schmied Herr Kuhlmann in Engern.

In der Betrachtung dieser ungewöhnlichen Perspektiven liegt der besondere Sinn und Reiz der Bauform von Gisela Gührs' Altarentwurf. Aus Stahlblech geschweißt vermittelt er zudem eine gewisse Stabilität, also Verlässlichkeit. Die rostige Haptik des Materials schafft eine Aura des Vergänglichen, vermittelt also Assoziationen zum Menschen mit seiner kurzen Spanne Zeit auf Erden im Gegensatz zum Unendlichen, Göttlichen.
Dies sind nur einige Gedanken zur Form des beweglichen Altartisches in der Nikolaikirche. Dass der Tisch bei aller Stabilität auch von zwei Personen getragen werden kann, möge noch ein weiterer Verweis auf das Leben des Menschen sein, der - immer unterwegs - auch seinen Altar einmal mitnehmen können muss, wenn die Umstände dies erfordern.
Dr. Andreas Hoppe, Rinteln, Mai 2016.