779 Jahre St. Nikolai Rinteln
weltweit 500 Jahre  Reformation


evangelisch-lutherische Stadtkirche St.Nikolai

Sehr geehrte Besucher,

im Herzen unserer wunderschönen Stadt Rinteln erhebt sich, alles dominierend, direkt neben dem Marktplatz seit 1238, also 779 Jahre, die evangelisch-lutherische Marktkirche St.Nikolai. Mit ihrem markanten barocken gelben Kuppel-Turmaufsatz, der in den Jahren 1788-1803 geschaffen wurde, ist sie das weithin sichtbare und mit ca. 51m Höhe unverwechselbare Wahrzeichen unserer Stadt. Ein Besuch der Kirche ist durch die täglichen Öffnungszeiten möglich und unbedingt lohnenswert denn neben der unbedingt sehenswerten Innenausstattung

Prof. Dr. Josua Stegmann (Ausschnitt)

befindet sich in der Kirche die Grabplatte und auch ein lebensgroßes Bildnis des bekannten Theologen und Professors der ehemaligen Rintelner Universität (Alma Ernestina auch: Academia Ernestina seine Einführungspredigt zur neuen Universität Rinteln 1621)  Prof. Dr. Josua Stegmann. Bekannt geworden und auch geblieben ist der "Rintelner Kirchenvater" durch sein Kirchenlied "Ach bleib mit Deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ".  
Noch heute ist dieses Lied den Menschen vertraut und wird in vielen evangelischen Gemeinden  gesungen. Es gehört in St. Nikolai selbstverständlich zu den Liedern, die an besonderen Festtagen, wie Goldene Konfirmation, gesungen werden. Auch die heutigen Konfirmanden lernen seinen Text noch als Gebet auswendig.

Hier können Sie sich ein kleines Büchlein von 1932 zum Leben und Wirken von ihm anschauen 

Dieses Büchlein hat uns das Museum der Stadt Rinteln freundlicherweise zur Verfügung gestellt

Luftbilder der Kirche

Diese Luftbilder zeigen die Lage von St. Nikolai auf dem Kirchplatz und in Rinteln.

Luftbild der St.Nikolaikirche
Luftbild Rinteln

Für sehbehinderte Besucher der St. Nikolai-Kirche liegt ein Kirchenführer in Blindenschrift aus.

Grundriss von St.Nikolai

bevor wir unsere Kirche gemeinsam entdecken, hier ein Grundriss von St. Nikolai mit kunstgeschichtlichen Daten. Die Hauptachse der Kirche verläuft,  wie damals üblich, in Ost-West Richtung.

Grundriss mit sehenswerten Objekten

das Innere der Kirche

Kurz nach Baubeginn im Jahre 1238 wurde die Stadtkirche dem Kirchenführer Nikolaus geweiht, der im vierten Jahrhundert in Kleinasien als Bischof von Myra gelebt und gewirkt hat. Aus vielen Legenden ist er als Schutzpatron der Kinder und Schiffer bekannt. Nicolai ist der lateinische Genitiv (2.Fall Wes-Fall )des Namens Nikolaus.

Im Laufe ihrer nun 779-jährigen wechselvollen Geschichte wurde die St. Nikolai-Kirche mehrfach umgestaltet  und renoviert.

Bereits ca. 100 Jahre nach Baubeginn entstand aus dem früheren Basilikabau die heutige Grundform einer dreischiffigen Hallenkirche (Hauptschiff und Seitenschiffe haben gleiche Höhe) ohne Querschiff. Von dem Vorgängerbau blieben einige romanische Teile wie das Südportal mit dem darüber liegenden Radfenster und das Turmportal (Foto ganz am Ende) erhalten.

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Altar, Blick von der Orgelempore
Altar, Blick von der Orgelempore
schmiedeeiserner Globus für Erinnerungskerzen

Südportal, erhaltener ehemaliger Haupteingang der alten Kirche

Und hier haben Sie einen Blick von der Kanzel in St.Nikolai.

Orgelempore mit den Ikonen "Armenbibel"

 Aufgrund des häufigen Weserhochwassers wurde 1810 der Fußboden um ca. 120 cm angehoben, wodurch der gedrungene Eindruck im Kircheninnern entsteht. Man merkt es eigentlich nur durch die niedrig erscheinende Orgelempore.  Dadurch kann man aber diese wunderbaren kleinen "ikonengleichen" Gemälde - auch Armenbibel genannt- (Bilder siehe weiter unten) rund um die Empore sehr gut sehen. Besonders die vielen Besucher  unserer "gemütlichen Kirche" schätzen das sehr.

Wie ein Puzzle mit 3000 Teilen

Pastorin Gerhardt berichtet beim Erzählcafé über Forschungen zu Emporebildern in St. Nikolai

 

Rinteln. Premiere im Erzählcafé, das erste Mal in der Öffentlichkeit vorgestellt: die neuesten Forschungsergebnisse von Rintelns an Geschichte und Geschichten interessierter Theologin – und, nicht zu vergessen – Stadtführerin mit Leib und Seele, Karin Gerhardt.

Im Fokus: die Gemälde in der Nikolaikirche, vor allem die, die die Empore zur Orgel schmücken. „35 Bilder, die zudem noch in einem Erzählzusammenhang stehen, schmücken die Empore. Ein solcher Zyklus sucht in Norddeutschland seinesgleichen“, schwärmt Pastorin Gerhardt. Und wo unbedarfte Betrachter vielleicht so etwas sagen wie „Ja, schöne Bilder“, da tut sich für eine historisch Forschende eine echte Fundgrube auf. „Für mich ist das wie ein 3000 Teile Puzzle. Mit jeder kleinen Einzelheit erkenne ich mehr vom Gesamtzusammenhang.“

So hat Gerhardt in den Bildern weitere Argumente für ihre nicht ganz ernst gemeinte These gefunden, Rinteln sei der Nabel der Welt, die sie bei Stadtführungen gern mal anführt. Hier holt sie ein bisschen aus. Mit der Reformation, die besonders in ihrer calvinistischen Ausprägung das Gebot „Du sollst Dir von Gott kein Bildnis machen“ sehr ernst nahm und ein Bilderverbot aussprach, wurden viele Maler quasi arbeitslos. Denn die kirchlichen Aufträge gingen stark zurück. Aus der Not machten einige Künstler dann eine Tugend. Sie reisten zu den Orten, wo die Werke großer Renaissance-Meister hingen, um diese zu studieren und zu kopieren. Auf dieser Grundlage entstanden eigene Werke. In Kupfer gestochen und vervielfältigt, vertrieben sie diese nun quasi als Kunsthändler.

Wie gut die Handwerker im Rintelner Malergewerbe damals darüber informiert waren, was europaweit so auf dem Kunstmarkt angeboten wurde, lässt sich an einigen der Emporenbilder belegen. Motive, die nachweislich vom niederländischen Kupferstecher Hendrick Goltzius und aus der Künstlerfamilie Sadeler stammen, sind die Arbeitsgrundlage für die Emporenbilder des Rintelner Malers. Eines dieser Bilder (Samson mit der Kinnlade eines Esels) wurde 1598 in den Niederlanden gestochen und hing schon gegen 1610 in Rinteln an der Orgelempore. „Ich habe es übrigens nicht zu hoffen gewagt, herauszufinden, wer denn eigentlich dieser Maler gewesen ist“, berichtet die Forscherin. „Bekannt waren uns nur seine Initialen, JB.“ Doch die gründliche Recherche in Stadt- und Kirchenarchiv hat Früchte getragen. Der Maler heißt Joachim Bockmeier.

Die zweite für Gerhardt sehr interessante Frage lautet: Macht es sich eigentlich inhaltlich bemerkbar, dass die Empore von einer Frau gestiftet wurde? Denn Stifterin und somit Geldgeberin für dieses Projekt war Magdalena von Münchhausen, kurz MvM. „Ich finde immer mal wieder Schriften, die von einer Stiftung des MvM sprechen“, merkt die Theologin mit feministischen Wurzeln kopfschüttelnd an. Dabei zeige die inmitten der biblischen Bilder angebrachte Wappentafel eindeutig, dass sich das Kürzel MvM auf eine Frau beziehen muss. Doch hat diese auch Einfluss auf die Gestaltung genommen? Gerhardt würde dies bejahen. „Neben der ausgeprägten Christus-Zentriertheit des Bilderzyklus‘ fällt auf, dass Frauen immer dort hervorgehoben werden, wo es vom biblischen Text her möglich ist. Denn neben den klassischen Motiven um Christi Geburt, in denen Maria ja immer eine Rolle spielt, taucht sie in der Bilderreihe auch als zentrale Figur in der Pfingstgeschichte auf.

„Selbst für mich als Theologin ist das überraschend. Dazu ist sie auch noch blau gewandet, wie eine katholische Schutzmantelmadonna“, erklärt Gerhardt. „Im Zyklus gibt es zudem noch eine sehr selten gemalte biblische Geschichte, in der Maria im Zentrum steht: das Taubenopfer der Maria. Zu dieser Geschichte gehören auch die beiden alten Propheten Hanna und Simeon. In unserem Bild findet sich – anders als etwa bei Rembrandt – die greise Prophetin Hanna prächtig gekleidet im Vordergrund. Hinter ihrer Schulter schaut das bärtige Gesicht des alten Simeon hervor.“

Für Gerhardt sind dieses wichtige Zeichen dafür, dass Magdalena von den Frauen in den biblischen Geschichten beeindruckt war und diese gut kannte. Nach Meinung von Gerhardt finden sich in dem Bildzyklus auch die Propheten Jona und Jeremia. Beides Männer, die mit dem Auftrag, den sie von Gott bekamen, zunächst nicht glücklich waren. Magdalena, kinderlos mit einem Erbherren verheiratet, wird sich ihnen vielleicht nahe gefühlt haben. Auch haderte sie gewiss bisweilen mit ihrem Schicksal. Denn die Lebensaufgabe einer adeligen Frau, Kinder zu gebären und so die Erbfolge zu sichern, hat sie nicht erfüllen können. Nach ihrem Tod ging der Erbhof auf eine andere Verwandtschaftslinie über.

Es menschelt hinter den bis heute erhaltenen Relikten der Vergangenheit, und mit Karin Gerhardt haben die Geschichten, die sich hinter Kunst und Handwerk verstecken, eine würdige Erzählerin gefunden.

von Claudia Masthoff

Artikel aus der Schaumburger Zeitung vom 23.10.2015 Seite 11

Deckengewölbemalereien

Bei den letzten Sanierungsarbeiten 1981 wurden in den Deckengewölben  farbige Fragmente von Gewölbemalereien gefunden und soweit möglich restauriert. Sie vermitteln dem Betrachter  eine Vorstellung von der ursprünglichen Farbigkeit im Innern des Kirchenschfiffs. 

Auch hat man einige der Schlußsteine, die ja wesentliche konstruktive Merkmale der gotischen Bauweise sind, farbig besonders hervorgehoben. Einer der Steine trägt die Jahreszahl 1280. Wahrscheinlich wurde er dann eingefügt.



Jahreszahl 1280

Die historische Orgel

Blick auf die Orgel

Das Orgelprospekt trägt eine gut sichtbare Datierung von 1621. Die große Orgel wurde von Esaias Compenius erbaut. Sie verfügt über 39 Register mit 2436 Pfeifen, wovon heute noch 5 Register mit 500 Pfeifen original (natürlich restauriert) erhalten sind. In den Jahren 1981 und 1995 ist die historische Orgel renoviert und erweitert worden.
Die Empore weist als Entstehungsjahr 1609 aus. Die 25 Tafelbilder der "Armenbibel" wurden 1610 geschaffen und sind eine besondere Kostbarkeit der Nikolaikirche. Allerdings ist die Reihenfolge bei späteren Umbauarbeiten verändert worden. Bei genauem Hinsehen erkennt man man Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament. Ein Bild ist die Tafel der Stifter der "Armenbibel" mit Wappen des Achatz von Quitzow (AVQ) und seiner Frau Margarete von Münchhausen (MVM)

Seit November 2012 ist die historische Orgel mit einem barocken Zimbelstern mit drei kleinen Glöckchen ausgestattet worden.  Äußerlich zu erkennen durch die zwei vergoldeten Sterne. Siehe auf dem Ausschnittfoto links und rechts neben den Zentralpfeifen. Optisch sind die Sterne dem Prospekt der Orgel angepasst "als wenn sie schon immer da waren". Möchten Sie den Zimbelstern in Funktion sehen und hören,  so klicken Sie bitte auf das Bild mit dem Zimbelstern. Viel Freude beim Anschauen und Zuhören.

Und wer wissen möchte wie eine Orgel gebaut wird, dem sei diese Sendung empfohlen.

historisches Uhrwerk

Und hier das letzte mechanische Uhrwerk, dass bis vor wenigen Jahren im Kirchturm seinen Dienst verrichtet hat. Das Werk stammt aus der Zeit um 1900. Es musste zu Anfang regelmäßig von Hand aufgezogen werden. Später dann mit einem Elektromotor.

Weil es immer treu und brav und genau die Uhrzeit auf den vier Zifferblättern angezeigt hat, wurde es im Kirchenschiff für unsere Gemeindemitglieder und vielen Gäste funktionstüchtig aufgestellt. Wenn Sie auf das Bild klicken, können Sie das Uhrwerk in Funktion erleben.

Heute werden die Zeiger der vier Zifferblätter von einer elektrischen Funkuhr bewegt. 

Der Chorraum

Taufbecken

Im Chorraum befindet sich das Bronzetaufbecken von 1582 und der ebenso alte Altar mit dem dreiteiligen barocken Altarretabel (Abendmahl, Kreuzigung und Gott-Vater-Figur).

Seit genau 433 Jahren werden in Rinteln in der St. Nikolai-Kirche Kinder über demselben  bronzenen Taufbecken getauft. Es war 1582 der Bückeburger Gießer Heine van Damme, der dieses sakrale Kunstwerk schuf.

Vom Künstler finden wir eine Signatur am Stiel des Tauf-Pokals. Dort steht auf einem Rundfries: „1582  GOT MI HEINE VAN DAMME TO DER BVCKEBORICH“. Weitere Informationen über ihn sind nicht auffindbar. Da er in Bückeburg arbeitete, kann es sein, dass er den später berühmt gewordenen Gießer und Bildhauer Adriaen de Vries (1545 ?/1556 ?  - 1626 ) kennenlernte und mit ihm vielleicht arbeitete. Dem Namen nach muss Heine van Damme ein Holländer gewesen sein, wie de Vries. Letzterer schuf eindrucksvolle Kunstwerke im Auftrag des Bückeburger Fürstenhauses, während van Damme von der Rintelner St. Nikolai-Gemeinde vor 1582 den Auftrag übernahm, ein Taufbecken aus Bronze zu gießen.

Solche Bronzebecken mit einem Deckel sind eher selten, auf jeden Fall gehört nach der Reformation Luthers und der danach einsetzenden Neuausstattung der Kirchräume unsere Taufe zu den ältesten Exemplaren mit Deckelverschluss im norddeutschen Raum.

Das bronzene Taufbecken wurde als schlanke Pokalform gestaltet und hat eine Höhe von gut zwei Metern. Die Ornamente sind flach ausgeprägt und laufen als unterschiedlich breite Bänder rund um das Becken. Es sind Blattranken mit Eicheln zu erkennen oder kleinere und größere Früchte, umrahmt von  Schmuckkanten. Besonders auffallend groß und wunderschön ausgeformt sind die Blatt-Friese auf dem Fuß und dem unteren Teil des Pokals. An Muschelschalen erinnern die bauchigen Abschnitte von Kelch und Deckel.

Der Kelchfuß ist achteckig, sowie auch die Ränder von Schale und Deckel. Die Acht ist im christlichen Verständnis heilig und symbolisiert die Erde mit den sieben Planeten.

Am Deckelaufbau ragen fünf S-Bögen nach außen, die mit Reliefs verziert sind. Sie mögen zum Anheben des Deckels dienen. Die eingerollten Enden (Voluten) stellen Adlerköpfe dar. In der Bibel ist der Adler ein Sinnbild für Gottes Fürsorge („…wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln …“ Ex. 19.4) und somit ein treffendes Zeichen der Taufe.

Die Deckelspitze ist gekrönt mit der Figur Johannes des Täufers. Die angewinkelten Arme zeigen nach oben und nehmen die segnende Haltung eines Predigers ein. Die rechte Hand umfasst eine Kugel (vielleicht die Weltkugel), die linke Hand hält ein stabartiges Gebilde, das nicht zu deuten ist.

Rücklings unterhalb der Figur entdecken wir ein eingraviertes breites Gesicht, mehr eine Fratze. Vielleicht soll es eine Schreckmaske darstellen, die immer dort auftaucht, wo Böses abgewehrt werden soll. Das Böse vom Täufling fernzuhalten, macht Sinn!

Am Taufbecken sind zwei Schriftfriese in lateinischer Sprache zu lesen. Diese Bibelzitate beziehen sich auf die Taufliturgie. Auf den Beckenfuß ist das deutschsprachige Schriftband bemerkenswert. Es zeugt vom Selbstbewusstsein der jungen lutherischen Gemeinde von St. Nikolai, die auf diese Weise Luthers Reformation dokumentiert: HERRE GODT GIF FREDE IN DINEN LANDDE GELVECKE VNDE HEIL THO ALLENSTANDE.

Da der bronzene Deckel sehr schwer ist, bleibt dessen Handhabung in früheren Zeiten unklar. Seitdem aber das Becken 1933 vom Mittelschiff in den Altarraum umgesetzt wurde, bekam der Deckel eine Hebevorrichtung. Jetzt „schwebt“ er über dem Taufpokal und kann mit Hilfe eines am Zugseil angebrachten Gegengewichts, was sich über dem Kreuzgewölbe befindet, per Hand ganz bequem angehoben werden.

Nach der lutherischen Reformation wird das Taufbecken nicht mehr als „Tauchbecken“ benutzt. Zu viele Kinder erlitten Erkrankungen durch unreines Weihwasser, welches in katholischen Zeiten nicht weggeschüttet werden durfte.

Bei den heutigen Taufzeremonien wird  frisches und erwärmtes Wasser in eine Taufschale gefüllt. Sie steht auf dem geöffneten Taufbecken und wird hübsch mit frischen Blumen geschmückt. So können die Täuflinge vom Pastor oder der Pastorin gesegnet und in die Gemeinschaft der St. Nikolai-Gemeinde aufgenommen werden.

 

 

Die Kanzel

Kanzel von St. Nikolai

 

die 1618 von der Kramergilde gestiftete Kanzel mit den vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes und Salvator (der Retter) also der Christusfigur. Man kann aufgrund des Entstehungsjahres davon ausgehen, dass Dr. Josua Stegmann auch von dort oben gepredigt hat. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kanzel erhöht und mehrfach renoviert.

 

 

Die heutige Ausstattung der Kirche stammt aus der Zeit nach der Reformation, die von den Schaumburger Grafen im Jahre 1559 in Rinteln eingeführt wurde.

Die Kirchenfenster

Schlichte Ornamente statt bunter Bilder

Vor 60 Jahren: St. Nikolai bekommt Ersatz für kriegszerstörte Fenster / Rintelnerin erforscht ihre Geschichte

Rinteln. Als am 4. April 1945 die Rintelner Weserbrücke gesprengt wurde (wir berichteten letzten Samstag), zerbarsten auch die Fenster der Stadtkirche St. Nikolai. Bis 1955 gab es eine Notverglasung, dann hat ein Marburger Glaskünstler mit Rintelner Wurzeln bis 1960 im Chorraum die fünf großen Fenster durch eine auf den ersten Blick schlichte Lösung mit Ornamentfenstern ersetzt, aber auch kleinere erneuert. An diesen großen Fenstern nagt nun der Zahn der Zeit, Rost an den Eisenverankerungen gefährdet die Stabilität des Sandsteinmaßwerks. Im Herbst werden sie ausgebaut und saniert. Kirchenvorstandsmitglied Heidegret Eikmeier

hat sich an die Erforschung der Geschichte dieser Fenster gemacht.


(zwei Fenster als Beispiel)

Eikmeier ist 2012 in die Redaktion des Gemeindebriefes „Einblicke“ der ev.-luth. Kirchengemeinden St. Nikolai, Johannis, Krankenhagen und der Kapellengemeinde Todenmann eingetreten. Die 2008 pensionierte Lehrerin (Realschule und Orientierungsstufe) legte nach einem Besuch in der Josua-Stegmann-Kapelle Todenmann eine Serie über wenig bekannte Kostbarkeiten in Rintelner Kirchen auf.

Das Jubiläum „777 Jahre St. Nikolai“ nimmt sie nun zum Anlass, ein Jahr lang den Fokus auf die Stadtkirche zu legen – und ganz besonders auf die Fenster. Ohnehin ist sie mit Harald Scheibe (Fotos) Hauptautorin der Festschrift.

In einem ersten Beitrag für „Einblicke“ hat sie sich des kleinen Rundbogenfensters mit Darstellung von David und Goliath über dem Südportal gewidmet. Dieses wurde 1956 von der Glaskünstlerwerkstatt Klonk bei Marburg in einem VW Käfer nach Rinteln gebracht. Das erzählte ihr am Telefon Jakobus Klonk, Sohn des 1984 verstorbenen Glaskünstlers Eberhard Klonk.

Warum Klonk senior vom Kirchenvorstand damals ausgewählt wurde, will Eikmeier noch näher erforschen. So viel ist klar: Eberhard Klonks Vater war ab 1894 Zeichenlehrer am Gymnasium in Rinteln, bis er 1898 nach Marburg versetzt wurde. Sein Sohn verbrachte sein erstes halbes Lebensjahr noch in der Weserstadt. Als 1933/34 eine Renovierung von St. Nikolai anstand, lieferte Eberhard Klonk Entwürfe für die Neugestaltung der großen Chorfenster: biblische Darstellungen in bunten Farben.

„Die Entwürfe hängen heute noch im Gemeindebüro von St. Nikolai an der Wand“, erzählt Eikmeier. „Und sie sind ein Schatz, denn die meisten Entwürfe Klonks sind bei der Bombardierung Düsseldorfs im Archiv der dortigen Kunstakademie zerstört worden. Immerhin etwa 300 Kirchenfenster hat er gestaltet. Szenen aus den Entwürfen für Rinteln habe ich in der Herforder Münsterkirche gefunden, eingebettet in die dortigen großartigen Fenstergestaltungen. In Rinteln wurden sie abgelehnt, weil ihre Farbenpracht wohl zu sehr vom Altarbild abgelenkt hätte und die Kosten vielleicht auch zu hoch waren.“

Auch Anfang der fünfziger Jahre erinnerte sich der Kirchenvorstand dieser ja schon vorliegenden Entwürfe, war aber erneut dagegen. Er beauftragte aber immerhin Klonk mit einer Alternative. Für den Chorraum sollten es nun schlichte Ornamente sein, die auch Eikmeier auf den ersten Blick lange für unscheinbar hielt. „Doch bei bestimmten Lichteinwirkungen entfalten sie ihren besondern Reiz, und man sollte sich ihnen aus verschiedenen Perspektiven nähern, dann ist es immer wieder anders“, schwärmt sie heute.

Aber Eikmeier hat auch die anderen Fenster im Visier: 1. David und Goliath über dem Südportal,

2. Moses und Jesaja über dem Nordportal,

dazu dort das Rundbogenfenster,

3. die Fische-Darstellung über dem Westeingang des Kirchturms

und die Rosette über dem Südportal.

Südportal

Mindestens zwei Beiträge will sie in diesem Jahr noch darüber für „Einblicke“ schreiben, vielleicht noch mehr im nächsten Jahr.

Bei ihren Nachforschungen wurde Eikmeier fündig in Aufzeichnungen des langjährigen Stadtarchivars Kurt Klaus, in alten Berichten der Schaumburger Zeitung und in dem Buch „Das malerische Rinteln“ vom einstigen SZ-Redakteur und Heimatforscher Walter Maack, erschienen 1978 im Verlag C. Bösendahl. „Und schon Maack hat darin bedauert, dass 1955 nicht die älteren Entwürfe von Klonk bei der Fenstererneuerung zum Zuge kamen“, sagt Eikmeier.

Ihr Wunsch wäre es, den 82-jährigen Jakobus Klonk zu einem Besuch in diesem Jubiläumsjahr in St. Nikolai zu bewegen: „Dann könnte dieser sich die von ihm mit eingebauten Fenster vor dem nächsten Ausbau zur Sanierung noch einmal ansehen, so wie er sie kannte.“

Text von Dietrich Lange Schaumburger Zeitung vom 10.04.2015 Seite 11

Die historischen Abendmahlsgeräte

Viele Abendmahlsgeräte sind expressis verbis fromme Stiftungen  von Gläubigen. Bei dem ältesten Abendmahlskelch der Nikolaikirche von Anno 1588 ist aber kein Stifter angegeben. Die Dose für die Hostien trägt als Inschrift:  Anno 1697 Johannes Möller Pharmacopola (übersetzt = Quacksalber, Zaubertrankhändler ) Rinteliensis  Natus Anno 1618
Die silberne "Weinflasche"  stammt von 1717. Sie trägt auf dem Schraubverschluss ebenfalls einen eingravierten Schriftzug: Zum Wein des Abendmahls gehört diese Flasche. Herr Jesus durch dein Blut von Sünden uns abwasche.
Der Kelch wird auch von Dr.Josua Stegmann bei der Austeilung des Abendmahls von ihm verwendet worden sein.

Der Altar mit dreiteiligen Retabel von 1582

Die Haupttafel zeigt die Abendmahlsszene. darüber ist die Kreuzigungsszene mit Maria und Johannes angeordnet, schließlich ist Gottvater zu sehen.

Gedenktafeln

Die zahlreichen Gedenktafeln und besonders die drei großen Epitaphien,

die von den Handwerksgilden und Zünften gestifteten Kronleuchter sowie der biblische Bilderzyklus an der um 1610 geschaffenen Empore (Armenbibel) zeugen davon, dass die St. Nikolai-Kirche in Rinteln immer die "Bürgerkirche" war und ist. Ein Bild ist die Tafel der Stifter der "Armenbibel" mit Wappen des Achatz von Quitzow (AVQ) und seiner Frau Margarete von Münchhausen (MVM)

Kronleuchter Original von 1580
Orgelempore mit Armenbibel (Bildfolge) von ca. 1610
Orgelempore Fortsetzung
Orgelempore Fortsetzung
Stiftertafel mit Wappen des Achatz von Quitzow (AVQ) und seiner Frau Margarete von Münchhausen (MVM)

Die Glocken von St. Nikolai

Die heutigen Glocken wurden 1969 geweiht. Sie stammen aus der Werkstatt der Glockengießerei Rincker aus Sinn, Europas ältester Glockengießerei im Familienbesitz

Eine neue Glocke wird nach dem 1. Weltkrieg außen am Turm hochgezogen
Die heutigen Glocken wurden 1969 geweiht. Sie stammen aus der Glockengießerei Rincker in Sinn (Dillkreis)

Dass die St. Nikolai-Kirche in Rinteln immer die "Bürgerkirche" war und ist, dieser jahrhundertealten Tradition fühlt sich die St. Nikolai-Kirchengemeinde verbunden. Sie öffnet gerne ihre Kirche als Stätte christlicher Begegnungen und ist seit langem "Gastgeber" für entsprechende inzwischen fast unzählige kulturelle und musikalische Veranstaltungen

Dabei weiß sich die Gemeinde stets der Losung über dem Turmportal verpflichtet: 

"Dienet dem Herrn mit Freuden" 
(Psalm 100,2).
Deshalb haben wir unsere Kirche als "offenen Kirche" tagsüber für die Menschen geöffnet.

(Turmportal) heutiger Haupteingang
zwei Blumenkübel schmücken zur Begrüßung unserer Besucher das Portal
Türschild am Turmportal

Das farbige Plakat am Turmportal soll die Menschen auch zu einem Besuch der Kirche einladen.

Der Siegezug der Smartphones und Tablet-PC's ist nicht mehr aufzuhalten. Das beobachten in letzter Zeit auch die Mitarbeiter der Kirchenaufsicht. Für die vielen Besucher während und außerhalb der Öffnungszeiten mit dieser Technik, insbesondere die technisch modernst ausgestatteten Fahrradtouristen, befindet sich  am "Türschild" neben dem Turmportal (Haupteingang) ein QR-Code, der sie bei bestehender Internetverbindung sofort mit unserer Internetseite verbindet.

Segen beim Verlassen unserer Kirche

Wenn Sie nun unser Gotteshaus  verlassen, nehmen Sie zum Abschied bitte einen alten irischen Segensspruch mit auf Ihren weiteren Weg:

Die schützende Hand Gottes
möge über Dir sein,
Dich begleiten,
und bewahren.

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